Eins und eins macht Code: Wie Kinder spielerisch Programmieren lernen

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Image Courtesy: Conor McCabe Photography (via Flickr)

In Linz zieht das CoderDojo bereits seit 2015 seine Kreise und lockt an Freitagen regelmäßig neue Kinder und Jugendliche an, die die Welt des Codens für sich entdecken wollen. Bei CoderDojos werden Programmiersprachen von freiwilligen Mentor*innen spielerisch beigebracht, als wären sie Fremdsprachen aus dem Schulalltag. So erlernt der Softwareentwickler-Nachwuchs von Morgen bereits in den Kinderschuhen den Umgang mit neuen Technologien. Wir werfen einen Blick hinter das Phänomen CoderDojo und machen uns auf die Suche nach Allem was dahintersteckt!

Was ist eigentlich ein Dojo und kann man das essen?

Nein, also essen kann man ein Dojo leider nicht. Das Wort Dōjō (道場) kommt aus dem Japanischen und bedeutet übersetzt „Ort des Weges“. Man bezeichnet damit allerdings einen Trainingsraum für verschiedene japanische Kampfkünste oder auch die Gemeinschaft der dort Übenden. Das Sinnbild der Übungsgemeinschaft hat sich die Coder-Bewegung zum Eigen gemacht und mit CoderDojos einen Ort geschaffen, an dem eine etwas andere Art „Kampfkunst“ geübt werden kann.

Coder Dojo ist eine globale Organisation für kostenlose, ehrenamtliche und Community-basierte Programmierclubs für junge Menschen. Im Alter von 7 bis 17 Jahren kann man ein Dojo besuchen und lernen Webseiten zu bauen, Apps oder Spiele zu entwickeln und Technologien in einem familiären, kreativen und sozialen Umfeld zu erforschen. Innerhalb der CoderDojo-Bewegung wird der Fokus auf Peer-Learning, Mentoring-Arbeit und selbstbestimmtes Lernen gesetzt. Doch wie wurde die erste CoderDojo eigentlich ins Leben gerufen?

Ein pinker iPod Nano ist schuld

Im Jahr 2011 war James Whelton 18 Jahre alt und lebte als Schüler und Programmierer in der Stadt Cork, Irland. Nachdem er während eines Flugs seinen pinken iPod Nano, das damals neueste Modell von Apple, gehackt hatte, erregte er das Aufsehen der Öffentlichkeit. Daraufhin begannen sich mehrere seiner jüngeren Mitschüler*innen für das Programmieren zu interessieren und James richtete in seiner Schule einen Computer-Club ein, worin er die wichtigsten HTML und CSS Basics unterrichtete. Kurz darauf lernte er den Unternehmer und Philanthrop Bill Liao kennen, welcher von James‘ positiven Einfluss auf seine Community begeistert war. Bill wollte dem kleinen Schulprojekt von James zu Wachstum verhelfen und sie gründeten gemeinsam das CoderDojo.

Im Juli 2011 wurde die erste CoderDojo im National Software Centre in Cork veranstaltet. Die ersten Sessions stießen auf unglaublich große Begeisterung und manche reisten sogar regelmäßig aus Dublin an, nur um daran teilzunehmen. Durch die große Beliebtheit und den Wunsch, das CoderDojo-Format mit der Welt zu teilen, wurde das Programm als Open-Source zur Verfügung gestellt. Das Phänomen wuchs rasant, zuerst in Irland aber später auch weltweit, vor allem in Nordamerika und Italien. Heute ist das CoderDojo eine globale Bewegung, mit über 1,900 zertifizierten Dojos in 93 Ländern.

All Newbies Welcome

Das besonders tolle an CoderDojos: man kann jederzeit und auch ganz ohne Vorkenntnisse einsteigen. Das CoderDojo ist bestens für alle Levels ausgestattet und gestaltet sein Programm ganz flexibel.  Wer noch nie programmiert hat, lernt als erstes das Format Scratch kennen, um die Grundlagen von Programmierung auf ganz einfache und grafische Art zu verstehen. Mit etwas mehr Erfahrung kann man dann in Scratch sogar Spiele entwickeln, die von den Freunden oder der Familie daheim ausprobiert werden können. Wer sich’s eher auf das Thema „Internet“ steht, kann in CoderDojos lernen eigene Webseiten zu bauen. Von Blogs über Fotosammlungen und Spiele bis hin zu Facebook Apps wird hier alles programmiert. Die Mentoren helfen den jungen Hackern dabei CSS, HTML und JavaScript zu erkunden. Wem dies zu einfach wird, kann bei CoderDojos auch professionelle Programmiersprachen wie Python, C#, Java oder C++ lernen. Diese Sprachen eröffnen für die Fortgeschrittenen in den Dojos ganz neue Welten und so können Minecraft Mods, Raspberry Pi-Projekte und vieles mehr entwickelt werden!  Was genau in einem Dojo gemacht wird, hängt ganz von den Ideen der Jugendlichen ab. Alle Vorschläge werden mit ans Bord geholt und jeder darf an seinen individuellen Projekten arbeiten.

Programmieren – muss man das können?

„Müssen“ ist in diesem Fall relativ. Fakt ist jedoch, dass Technikerinnen und Techniker immer gefragter werden und wir uns immer mehr mit Technologien umgeben, die durch Software gesteuert sind. Obwohl diese Dinge aus unserem Alltag kaum noch wegzudenken sind, ist das Programmieren im Gegensatz zu Physik oder Mathematik noch kein fester Bestandteil der allgemeinen Schulbildung. CoderDojos bieten also nicht nur die optimale Vorbereitung auf den Besuch einer HTL und einer technischen beruflichen Zukunft, sondern fügen mit dem Programmieren auch einen weiteren Punkt auf der Liste der allgemeinen Fähigkeiten hinzu, die in allen möglichen Berufssparten sinnvoll einsetzbar sind. Das Hauptaugenmerk in den Sessions liegt aber ganz klar auf einem ganz bestimmten Thema: Spaß! In CoderDojos sollen Projekte realisiert werden, die cool sind und gerne in der Freizeit gemacht werden.

Mitmachen – Ja! Aber wie?  

In Linz gibt es das CoderDojo seit über 3 Jahren und es ist jederzeit möglich einzusteigen! Die Anmeldung zum ersten Dojo geschieht ganz einfach über ein Online-Formular. Für alle weiteren Dojos muss man sich nicht mehr anmelden, sondern darf einfach wiederkommen. Ganz ungebunden: wann man Zeit hat und kommen will! Die Termine und wechselnden Locations (Wissensturm, JKU oder größeren Unternehmen wie z.B. Dynatrace) dazu sind auf der Webseite des Linzer CoderDojo nachzulesen.

Richtig cool: Am 20. Juli 2018 fand im Rahmen des CoderDojo auf der JKU das „Moonhack“-Event (organisiert vom Code Club Australia) statt, wobei weltweit über 36.000 Kinder an Coding-Beispielen zum Thema Mondlandung arbeiteten und somit einen Weltrekord knackten. Wer’s lieber royal mag: Anfang Juli besuchten zum 7. Jahrestag des ersten CoderDojo sogar Prince Harry und Meghan das Geburtstagsevent in Irland! Eines kann man also garantieren: Im CoderDojo wird es nie langweilig.

 

 

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