Im Talk mit MARCH GUT

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Image courtesy by Christian Stemper

„Wir entwerfen  die Werkstatt, die wir uns selbst schon immer gewünscht haben.“

Als wir das Studio von MARCH GUT am Linzer Tummelplatz betreten, ist der kreative Vibe der beiden Industrial Designer sofort zu spüren: Die vom Duo geschaffenen Kreationen fungieren als Ausstellungsstücke und Möbel zugleich, während im 3D Drucker der Werkstatt gerade das erste Modell der Treppe für die GRAND GARAGE® entsteht. Wir haben uns mit Christoph March und Marek Gut bei einem gemütlichen Kaffee zum Interview getroffen, um mehr über die Designer unserer Innovationswerkstatt zu erfahren.

Quickfire-Questions mit March Gut

Kaffee – mit Milch und Zucker? Christoph: Ja!
Marek: Nur in der Früh.
Was nehmt ihr auf eine einsame Insel mit? Marek: Hängematte!
Christoph: Skizzenbücher!
Welcher Song muss auf jede Playlist? Marek: Die Songs auf der Playlist von unserer Afrikareise.
Hunde oder Katzen? Christoph: Katzen.
Marek: Hunde.
Apple oder Windows? Marek: Windows.
Christoph: Windows, auf alle Fälle!

Wieso seid ihr beide Industrial Designer geworden?

Marek: Das ist eine große Frage! Meine Mutter hat gesagt ich soll Zahnarzt werden (lacht). Nein, also mich hat schon lange Zeit Architektur interessiert. Mit 16 habe ich ein Buch von Philippe Starck zum Geburtstag geschenkt bekommen und dann habe ich erfahren, dass es die Möglichkeit gibt das überhaupt zu studieren. Ich habe gedacht, man studiert einfach Architektur und macht dann Design.

Christoph: Bei mir war das ähnlich. Es wurde mir schon in der Schulzeit klar, das ich eher frei und kreativ arbeiten möchte.  Rückblickend ist es die Mischung von Technik und kreativen- und forschenden Arbeiten die mich angezogen hat.

Marek: Wir haben zu Beginn, als wir das Büro gegründet haben, viele verschiedenen Sachen ausprobiert. Genauso auch im Studium – das Designstudium ist ja enorm vielfältig! Viele Freunde von uns sind auch in die Automobilbranche gegangen oder in den Sportartikelbereich, andere machen Investitions- oder Konsumgüter. Die Bandbreite ist sehr groß. In den letzten Jahren haben wir jedoch den Schwerpunkt auf Räume gelegt, denn die Kombination von Menschen, Materialien und Ästhetik liegt uns sehr gut.

Christoph: Dennoch ist die Abwechslung wichtig für uns. 20% unserer Arbeitszeit stecken wir in eigene Projekt oder Produktideen. Der schnelle Wechsel zwischen den Projekten macht das Arbeiten nie langweilig und die Projekte bereichern sich gegenseitig.

Gibt es bei der vielen Abwechslung dann überhaupt einen „typischen“ Arbeitstag?

Marek: Jein.

Christoph: Leider häufen sich diese Tage.

Marek: Man kommt leider nicht drum herum. Besonders weil die bürokratischen Arbeiten nicht weniger werden…  Es gibt Tage wo wir sehr viel unterwegs sind, da müssen wir mittlerweile schauen wie wir uns das dann aufteilen. Dann haben wir auch sozusagen Projekttage, die dann für intensives Entwerfen reserviert sind.

Christoph: Bei uns laufen immer mehrere Projekte parallel, da sich große Ausstellungs- und Bauprojekte oft über mehrere Jahre hinziehen. Was wir aber merken, ist dass die Besprechungen mehr werden und viel stärker teamorientiert gearbeitet wird.

Macht ihr immer alle Projekte gemeinsam oder teilt ihr sie euch auch manchmal? 

Christoph: Bei den größeren Projekten arbeiten wir sowieso immer viel zusammen, weil ja auch sehr viel Arbeit entsteht. Aber es ist schon so, dass man sich die Projekte ein bisschen teilt. Es macht dann oft einer die Kommunikation und das Projektmanagement, aber wir sind immer beide konzeptionell an der Sache beteiligt.

Was denkt ihr, welche Eigenschaften braucht man um als Industrial Designer Erfolg zu haben?

Marek: Wie so oft ist es die Summe der einzelnen Teile. Grundsätzlich sind Neugierde, Offenheit und Lernbereitschaft für den persönlichen und wirtschaftlichen Erfolg wichtig.   Wir gehen immer sehr stark auf unsere KundInnen ein und müssen uns dabei oft mit neuen Bereichen und Themen auseinandersetzen. Für uns ist das keine Einschränkung, sondern eine Herausforderung die wir gerne annehmen, denn es bietet uns meist neue bisher unbekannte Möglichkeiten. Natürlich muss man auch oft Kompromisse machen, es kommen nicht immer die gewünschten Materialien zur Anwendung oder das Budget reicht nicht aus oder die Zeit läuft davon. Da ist ein wertschätzender Umgang mit allen Projektbeteiligten sehr wichtig. Besonders wenn es stressig wird, darf das Verständnis und die Sympathie für einander nicht abhandenkommen, sonst wird es echt schwierig. Schlussendlich führte bei uns die Kombination aus Funktion und Ästhetik zum Erfolg.

Welche Werte sind euch bei der Realisierung dieser Projekte und bei euren Kooperations-PartnerInnenn besonders wichtig?

Christoph: Unsere Projekte zeichnet immer ein sehr hoher ästhetischer Anspruch aus. Es ist uns daher wichtig, dass die KundInnen und PartnerInnen uns vertrauen und unsere Kompetenz in dem gestalterischen Bereich zu schätzen wissen. Nachhaltigkeit ist für uns ein großes Thema, da die Designbranche leider immer noch oft viel zu kurzlebig gesehen wird. Oft muss man Kompromisse machen, wenn z.B. Sicherheitsauflagen die Verwendung von nachhaltigeren Materialien verhindern.  Da sehen wir noch Raum für Verbesserung. Bei der Zusammenarbeit mit anderen Kreativstudios ist uns Transparenz, Verlässlichkeit und Fairness ein besonderes Anliegen.

Von allen Projekten die ihr bisher umgesetzt habt – habt ihr einen Liebling?

Christoph: Eigentlich nicht, meistens ist das aktuelle Projekt das Lieblingsprojekt.

Marek: Da die Projekte immer so unterschiedlich sind kann man das schwer vergleichen.  Manchmal ist man mit einem Projekt sehr zufrieden, obwohl es von außen betrachtet gar nicht so spektakulär ist. Zum Beispiel wenn man es geschafft hat in einem komplizierten Rahmen etwas weiterzubewegen.

Christoph: Und oftmals ist es auch dann gar nicht das Projekt direkt sondern der Prozess und das Team was uns besonders gut in Erinnerung bleibt.

Als Industrial Designer feiert ihr große Erfolge und habt ja vor Kurzem auch den Red Dot Design Award erhalten! Aber gab es schon Mal einen Fall wo etwas gar nicht geklappt hat?

Marek: Es gab sicher ein paar Projekte, bei denen mal eine Sache schiefgelaufen ist, aber schlussendlich hat eigentlich alles gut geklappt. Vor zwei Jahren gab es ein Projekt, dass komplett in die Hose gegangen ist. Da hat es bei den vorher genannten uns wichtigen Werten schon weit gefehlt und es waren wahrscheinlich zu starke Individualisten im Team.  Aber so etwas passiert und man lernt daraus.

Christoph: Es sind gar nicht so wenige Projekte, die dann nicht realisiert werden, aber das gehört dann indirekt schon wieder zum Entwurfsprozess für das nächste Projekt dazu. Das ist dann keine verlorene Energie.

Was war eure persönliche Motivation, an der Gestaltung der GRAND GARAGE® mitarbeiten zu wollen?

Christoph: Hauptsächlich die Tatsache, dass wir uns natürlich so eine Werkstatt selbst schon immer gewünscht hatten.  Man probiert zwar im Kleinen für sich selbst, aber es ist wahrscheinlich der Traum vieler Kreativen so etwas in der Nähe zu haben. Das ist für uns der Hauptgrund, warum wir uns damit so intensiv beschäftigen.

Marek:  Als wir studierten, mussten wir nach der Entwurfsphase auch immer ein Modell bauen. Das Modell war ein ganz wesentlicher Bestandteil der Präsentation. In unserem Studio hat die Modellbauwerkstatt inklusive 3D Drucker einen zentralen Stellenwert. Das Projekt der GRAND GARAGE® ist für uns daher die Verwirklichung einer Werkstatt wie man sie sich nur erträumen kann. Dazu braucht es aber einfach die richtigen Leute mit den nötigen finanziellen Mitteln.

Wie sehr wurde eure Arbeit von technologischen Entwicklungen der letzten Jahre beeinflusst?

Christoph: Was Modellbau betrifft hat man heute viel mehr Möglichkeiten. Durch die Digitalisierung hat sich der Arbeitsprozess in einer gewissen Weise erleichtert. In einem 3D Programm kann ich Dinge viel schneller ändern und beurteilen und muss nicht gleich ein neues Modell bauen.

Marek: Die 3D Visualisierung entwickelt sich rasant. Da wird alles immer fotorealistischer. Das ist zwar nicht immer von Vorteil aber bei den KundInnen verringert man die Gefahr von unterschiedlichen Vorstellungen.  Christoph hat gerade eine  VR-Brille gekauft, das sind dann schon sehr feine Spielereien, wenn sich die AuftraggeberInnen auch noch virtuell in den Entwürfen bewegen können.

Christoph: Spielereien!? (lacht)

Wie steht ihr zu Trends? Verfolgt ihr sie?

Marek: Wir machen sie!

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