Opendesk: Designer Möbel made by CNC

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Image courtesy Opendesk

Das vermeintliche Erfolgsrezept der modernen Möbelindustrie: Man nehme Holz aus Brasilien, produziere es in China nach schwedischem Design und liefere die Einzelteile einmal durch die ganze Welt zum glücklichen Besitzer für den finalen Zusammenbau. Die Tatsache, dass bei diesem Prozess keine regionale Wertschöpfung generiert wird, scheint vollkommen nebensächlich zu sein. Oder etwa doch nicht?

Enter Opendesk – eine online Möbel-Design-Plattform mit globalem Netzwerk, welches internationale Designs mit einheimischen Herstellern verbindet. Durch die innovative Herstellung und digitale Technologien werden so Flat Pack-Möbel wieder auf den lokalen Markt zurückgebracht.

Do It Yourself – Open Source Möbel zum Selbermachen

Das Prinzip von Opendesk ist unglaublich einfach und genial zugleich: Auf der Webseite des britischen Start-Ups kann aus einer Vielzahl an Entwürfen gewählt werden, welche als Open Source im .dwg oder .dfx Format (teilweise gratis) zum Download bereitstehen. Die Gründer von Opendesk, Joni und David Steiner, wurden dabei von einem Prinzip des Ökonom John Maynard Keynes inspiriert, der meinte es sei einfacher Rezepte zu verteilen, als fertige Kuchen und Kekse zu versenden. Für die Realisierung der Designs in der heimischen Werkstätte wird lediglich eine CNC Maschine benötigt.

Bei CNC handelt es sich um ein Akronym für „Computer Numerical Control”, welches Werkzeugmaschinen und Robotik-Fräsen umfasst, deren Präzision auf modernste digitale Steuerungstechniken basiert. Was ein Drucker für eine PDF Datei ist, ist die CNC-Maschine für sämtliche Designs von Opendesk: Durch die Eingabe der Dateien in den CNC Router können Entwürfe bis in das kleinste Detail genau materialisiert und in ein reales Holzmöbelstück umgewandelt werden. Viele der Designs verzichten teilweise komplett auf die Nutzung von Nägel und Schrauben. Stattdessen verwenden sie ineinandergreifende und formschlüssige Furchen, die nur noch zusammengesteckt werden müssen. Dank der revolutionären Präzision von CNC Maschinen wie Goliath, ist dieses Herstellungssystem problemlos realisierbar und einfach zu replizieren.

Vom Designer über den Maker zum User

Dabei ist den Gründern von Opendesk natürlich klar, dass eine CNC Fräse kein fester Bestandteil jedes gut-sortierten Haushalts ist. Während es manchen Fans der Designs an der maschinellen Ausstattung fehlt, mangelt es bei anderen an Bauholz und/oder technischem Knowhow. Jedoch weiß man sich auch hier zu helfen: Mit einem einzigen Mausklick wird man auf Opendesk mit einem „Maker“ in seiner Nähe verbunden, welcher die Designs innerhalb weniger Tage produzieren und realisieren kann. Bei den Makern handelt es sich jedoch nicht um große Konzerne, sondern um unabhängige und professionelle Tischlereien.

Images courtesy Opendesk

Seit der Gründung im Jahr 2013 hat Opendesk ein Network von über 500 Makern aufgebaut, welche auf der ganzen Welt vertreten sind und den Fertigstellungsgrad der Entwürfe individuell an die Wünsche der Kunden anpassen. Wählen kann man dabei zwischen von der CNC Maschine vorgesägten Holzbauteilen, geölten Flat Pack-Möbeln zum selbst zusammenbauen oder fertig montierten Möbelstücken.

Internationales Design – nachhaltig und regional produziert

Durch diese Herangehensweise wird von Opendesk eine ethische Supply-Chain geschaffen, welche aufwändige Liefertransporte eliminiert und der einheimischen Produktion eine Chance gibt, gegen die Globalisierung des Marktes anzukämpfen. Überdimensionale Fabrikanlagen werden durch regionale Betriebe und nachhaltige Produktion ersetzt – eine Methode, welche die Massenproduktion von Möbeln auf den Kopf stellt.

Der Verzicht auf zeitraubenden Versand, teure Showrooms und Lagerräume verändert dadurch auch die Endaufteilung des Gewinnanteils maßgeblich: Ungefähr 30% des Gewinns bleibt bei Opendesk, während die Designer eine Kommission von ca. 10% erhalten. Die restlichen 60% des Gewinns bekommen die Maker, wodurch die regionale Wirtschaft des Tischlerbetriebes bestmöglich angekurbelt wird.

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Ein fertig zusammengebauter Opendesk Schreibtisch auf dem vier Personen ihren Arbeitsplatz finden liegt preislich bei ungefähr € 1.500. Laut eigener Aussage von Opendesk ist das Möbelstück damit um mindestens die Hälfte günstiger als bei einem High-End Designer und etwa zwei bis dreimal teurer als bei Ikea. Würde derselbe Tisch auf konventionelle Art im Einzelhandel verkauft werden, sei mit einem Preisaufschlag von etwa 200% zu rechnen, wobei die Designer nur die Hälfte von dem verdienen würden, was sie bei Opendesk erhalten. Eine faire Bezahlung der Maker wäre ebenfalls unmöglich, da die größten Ausgaben für Transport und Umweltkosten anfallen würden.

Opendesk steht mit dieser Unternehmensphilosophie an der Spitze einer wachsenden Bewegung, welche Design und Produktion demokratisiert und dafür sorgt, dass alle Beteiligten dabei profitieren: die Designer, die Maker, Opendesk als Plattform und, natürlich, auch die Kunden.

Flexible Arbeitsplätze der Zukunft

Da Opendesk durch diesen innovativen Approach nicht mit lokalen Innenausstattern konkurrieren, kann vollständig auf die Anschaffung teurer Showrooms zur Präsentation der Möbel verzichtet werden. Stattdessen baut man auf bereits fertig ausgestattete Workspaces, die nicht für den kommerziellen Zweck kuriert sind, sondern tatsächliche Arbeitsplätze in verschiedenen Unternehmen auf der ganzen Welt zeigen.

Zu den bereits von Opendesk ausgestatteten Betrieben zählen unter anderem Greenpeace HQ in Islington, die Kreativagentur Black Math in Boston oder der flexible Workspace „Project Jack“ für die Offices des Google Campus in King’s Cross.

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Die Kollaboration „Project Jack“ von Opendesk x Google ist ein wahres Chamäleon in Sachen Interior Design und wurde als „Raum der Wünsche“ gepitcht – ein bekanntes Konzept unter allen Harry Potter Fans. Der Workspace kann durch seine dynamische Funktionsweise konstant verändert und flexibel den Bedürfnissen seiner Nutzer angepasst werden. Einzelne Bestandteile von „Project Jack“ funktionieren dabei wie LEGO: Man kann sie völlig unkompliziert auseinandernehmen, umorganisieren und neu zusammensetzen, wobei der Arbeitsplatz auf einfachste Weise vergrößert oder in seiner Form verändert werden kann. Insgesamt würden am Google Campus in King’s Cross über 160 „Jack Rooms“ für je 2-8 Personen installiert.

Neugierig geworden?

Die Zukunft für Opendesk bleibt eindeutig spannend:

Momentan versucht die Plattform seinen Pool an Designern zu erweitern und die Entwürfe von den Gründern durch ein globales Netzwerk zu ergänzen. Auf der Webseite finden ambitionierte Designer dazu alle wichtigen Informationen.

Zugleich wächst aber auch die Anzahl an zertifizierten Makern von Opendesk stetig. Die bislang einzige österreichische Vertretung stellt dabei die Tischlerei Gross – ein Familienbetrieb in der Südsteiermark.

Mehr Infos unter http://opendesk.cc

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