Top 5 neue Technologien im Gartner Hypecyle 2018

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Verkaufsroboter Pepper

Erst im August hat Gartner seinen neuen Hypecycle für das Jahr 2018 veröffentlicht. Was ein Hypecycle überhaupt ist und wie er funktioniert haben wir bereits in unserem letzten Artikel beschrieben.

Heute wollen wir uns den 5 interessantesten neuen Items auf dem diesjährigen Hypecyle widmen. Die hier vorgestellten Technologien werden zwar sehr wahrscheinlich nicht bereits morgen vor der Haustüre stehen, haben aber das Potential um unsere Zukunft in den nächsten 5-15 Jahren stark zu beeinflussen. Deshalb werde ich bei jeder Technologie die Zeit angeben, die es bis zu einem wirklich sinnvollen Einsatz noch dauern wird. Zusätzlich gebe ich noch die momentane Hypephase an.

Flying autonomous vehicles

Vermutete Zeit: mehr als 10 Jahre
Momentane Hypephase: Innovation trigger

Wer fände das denn nicht schön: Aus der Haustüre gehen, in den eigenen privaten Helikopter steigen und zur Arbeit fliegen. Uber arbeitet nun schon seit fast zwei Jahren an dieser Vorstellung. Waren fliegende Autos bis jetzt immer nur auf Filme wie zurück in die Zukunft beschränkt, sollen sie nun endlich Realität werden. Verschiedene Firmen haben sich in den letzten Jahren auf das Thema gestürzt, neben vielen Startups sind die drei bekanntesten NASA, Uber, Google und Airbus. Das Ziel sind pilotenlose, meist elektrisch betriebene Senkrechtstarter, die dem Stadtverkehr endgültig den Kampf ansagen sollen.

Klingt cool? Nun, da stimme ich zu. Jedoch sind diese als VTOL bekannten Fluggeräte nicht leicht zu entwickeln. Zusätzlich müssen noch einige andere technische Probleme wie der Autopilot gelöst und regulatorische Fragen beantwortet werden, bevor so eine Technologie in Serie gehen kann. Uber jedoch sieht das anders: Erst im Mai dieses Jahres gab das Unternehmen bekannt, in einen neuen Forschungsstandort in Frankreich investieren zu wollen. Bereits 2020 sollen die ersten ihrer Prototypen abheben, ab 2023 will Uber den Service auf größerer Basis ausrollen. Kosten soll das Ganze genauso viel wie ein normales uberX. Wir sind gespannt.

Zum weiterlesen:
CNNtech: Airbus offers a peek at its flying taxi
CNNtech: Uber invests millions to build flying taxis in France
dezeen: Uber and NASA to launch flying taxi service by 2020
dezeen: Electric flying taxi by Lilium successfully completes its first voyage

Biochips

Vermutete Zeit: 5-10 Jahre
Momentane Hypephase: Peak of inflated expectations

Die Herstellung von Medikamenten ist seit jeher eine knifflige Angelegenheit. Niemand will Patienten Substanzen verabreichen, die ihnen nicht helfen oder gar schaden. Trotzdem sollen laufend neue Waffen gegen allerlei Krankheiten erforscht werden. Im Moment bestehen unsere Testmöglichkeiten aus Tier- und Menschenstudien, doch diese stellen sich manchmal als ergebnislos oder gar gefährlich dar. Nun soll ein neues Mittel helfen. Als Biochip werden Systeme bezeichnet, bei denen ein Sensorenraster zusammen mit Halbleitertechnik auf kleinstem Raum auf einem einzigen Chip ruht. Erreichbar sind damit verschiedene Funktionen, unter anderem DNA- oder Protein-Analyse, wodurch sich große Datenmengen auf kleinstem Raum in kürzester Zeit messen lassen. Forscher setzen schon seit den 80er Jahren vieles daran, diese Technologie fähig genug zu bekommen, um sie auf den Markt zu bringen und sie unter anderem für die Gesundheitsforschung einzusetzen.

Eines der beeindruckendsten Experimente ist der Nachbau aller Organe des menschlichen Körpers in zehn Organchips, wobei jeder dieser Chips ein Organ darstellt. In diesen Chips arbeiten menschliche Zellen augmentiert durch moderne Technik um ein Mikroklima zu erhalten. Mit diesem Modell soll die Testung neuer Medikamente erleichtert und die Effizienz und Sicherheit von Experimenten um ein Vielfaches erhöht werden.

Zum weiterlesen:
Golem.de: Der Mensch besteht aus zehn Organchips
ScienceDirect: Biochip
EurekAlert!: Vanderbilt-led team to develop ‚microbrain‘ to improve drug testing
Wikipedia: Biochip

Autonomous mobile robots

Vermutete Zeit: 5-10 Jahre
Momentane Hypephase:  Peak of inflated expectations

Es ist ein fast geisterhaftes Bild, eine leere Lagerhalle nur bevölkert von Robotern, die unentwegt durch die Lagerhalle sausen. Dies ist nur eines der vielen Einsatzgebiete von autonomen mobilen Robotern. Die Hersteller von verschiedenen Arten dieser kleinen Helfer können sich allerdings eine ganze Bandbreite an Möglichkeiten vorstellen. Wie bereits angeschnitten ist der Logistikbereich einer der prominenteren. Bereits jetzt sind in verschiedenen Lagerhäusern der Welt Roboter von verschiedenen Anbietern im Einsatz, um Waren nach Anlieferung entgegenzunehmen, einzusortieren und bei Bestellung an den Abnehmer zu liefern. Das Ziel ist, die menschliche Belegung von gleichförmigen Aufgaben, wie dem Sammeln von Paketen aus dem Lager, abzuziehen und für wertvollere Aufgaben einzusetzen.

Logistik ist zwar der im Moment am bereits besten genutzte, aber noch lange nicht der einzige Bereich, in dem die Geräte eingesetzt werden sollen. Softbank Robotics, ein japanischer Hersteller, baut Pepper. Bekannt ist die Firma, damals noch eine Kooperation zwischen der japanischen Mutterfirma und der inzwischen übernommenen französischen Aldebaran, durch ihren Roboter namens Nao, mit dem unter anderem die Roboter-Fußballweltmeisterschaften ausgetragen werden. Pepper hingegen ist auf Service spezialisiert. Sie soll in ein Feld vordringen, in dem noch wenige Roboter bis dato eingesetzt werden konnten. Sie kann sprechen, Dinge anzeigen und Kunden sogar zum richtigen Regal führen. Verschiedene Firmen experimentieren bereits mit dieser elektronischen Verkäuferin, viele sind interessiert. Doch bis Pepper häufiger zu sehen ist, wird es wahrscheinlich noch eine Zeit dauern.

Von unseren fünf Themen ist dieses hier das einfachste, um selbst zu experimentieren. Ein guter Anfang dazu wäre dieser Artikel von Intel, aber es lassen sich unzählige Guides im Internet über verschiedene Projekte finden.

Zum weiterlesen:
CodeProject: Build an Autonomous Mobile Robot with the Intel® RealSense™ Camera, ROS, and SAWR
RoboticsBusinessReview: How Autonomous Mobile Robots Are Changing the Logistics Landscape
Wikipedia: Pepper

Self healing systems

Vermutete Zeit: 5-10 Jahre
Momentane Hypephase:  Innovation trigger

Manchmal möchte man gerne den Computer an die Wand schmeißen. Man tut‘s dann trotzdem nicht, da das Gerät dann kaputt ist und man ein neues benötigen würde. Was nun, wenn sich der Computer aber selbst heilen könnte?

Nun ich möchte an dieser Stelle nicht zum Vandalismus gegen Computer aufrufen, denn die werden sich so schnell auch nicht heilen können. Der Fokus der Forscher liegt vorwiegend auf selbstheilenden Robotern. Werden diese heute noch von Elektromotoren oder anderem angetrieben, arbeiten Forscher bereits an einer Alternative. Diese besteht aus einem elektrisch leitbaren Gel, dass sich wie Muskelmasse unter Strom zusammenzieht. Dadurch verhält sich ein Roboter bei Bewegung wie ein Mensch, da seine Muskeln ebenfalls weich sind. Werden diese Muskeln nun verletzt, wäre bei einem herkömmlichen Roboter Ende im Gelände. Die Gel-Technologie erlaubt den Robotern jedoch, den Schaden selbst zu beheben. Zusätzlich dazu können in die Muskeln noch Sensoren eingebettet werden, die Druck und Temperatur fühlen können. Der vorstellbare Einsatzbereich für diese Technologie ist „weiche“ Robotik (die überall dort gebraucht wird, wo empfindliche Dinge behandelt werden wie der Einsatz mit Menschen) oder Prothesenbau. Terminator lässt grüßen.

Zum weiterlesen:
EdgyLabs: Self-Healing, Sensitive Robots: The Future of Robotics
TechXplore: New soft rubber for creating self-healing robots
The Washington Post: Terminator skin: Researchers create ‘self-healing’ material for robots

Autonomous driving level 5

Vermutete Zeit: 5-10 Jahre
Momentane Hypephase:  Innovation trigger

Schon mehrmals haben in letzter Zeit Autos mit Selbstfahr-Funktion Aufsehen erregt. Tesla‘s Autopilot beispielsweise erlaubt dem Nutzer, für eine bestimmte Zeit die Hand vom Lenkrad zu nehmen, ohne in eine Wand zu fahren. Nach etwa 30 Sekunden verlangt das System jedoch wieder nach Nutzerinteraktion durch Lenkradberührung um sicherzustellen, dass der/die Lenker*in immer noch aufmerksam ist. Dieses System liegt laut dem US-Amerikanischen Verkehrsministerium irgendwo zwischen Level 2 und 3.

Was ist nun Level 5?
Die Kurzfassung: Tesla‘s Technologie kann als „hands off“-Technologie beschrieben werden. Level 4 (ebenfalls im Hype-Cycle) wird als „mind off“ und Level 5 als „Steering wheel optional“ beschrieben. Das Ziel ist also ein Auto ohne Lenkrad. Das Problem hierbei ist vor allem die Erkennung der Umgebung. Um sich an die Verkehrsregeln halten zu können, muss ein Auto erst Verkehrsschilder, andere Autos, Personen auf der Straße, manuelle Verkehrsregelung usw. erkennen. Die meisten Autohersteller verwenden hierfür eine Mischung aus Kameras und Lidars. Laut Musk will Tesla Level 5 2019 erreichen, Gartner jedoch vermutet, dass dieser Prozess noch länger als 10 Jahre dauern wird.

Zum weiterlesen:
CleanTechnica: Autonomous Driving Levels 0–5 + Implications
electrek: Elon Musk clarifies Tesla’s plan for level 5 fully autonomous driving: 2 years away from sleeping in the car
WIRED: Everyone Wants a Level 5 Self-Driving Car—Here’s What That Means

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